Interview mit Pauline Brünger von Fridays for Future

20 September 2021

Wir haben uns gefragt, wie es derzeit um Fridays for Future bestellt ist, welche Auswirkungen das Corona-Jahr 2020 auf die Bewegung und ihre Ziele hatte und wie es jetzt weitergeht. Interviewt haben wir dazu Pauline Brünger (19 Jahre), die seit mehr als zwei Jahren die Streiks in ihrer Heimatstadt Köln organisiert. Sie hat sich außerdem lange Zeit um die digitale Kommunikation von Fridays for Future gekümmert und macht bis heute die Öffentlichkeitsarbeit für die Bewegung.

Wie bist du zu Fridays for Future gekommen?

Pauline: Als ich in der 11. Klasse war, habe ich das erste Mal mit Fridays for Future die Schule bestreikt. Das war im Dezember 2018. Mittlerweile bin ich mit der Schule fertig und studiere Philosophie, Politik und VWL.

 

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Seit wann gibt es Fridays for Future in Deutschland und wie groß ist die Bewegung hier?

Die ersten Klimastreiks von Fridays for Future in Deutschland fanden am 14. Dezember 2018 statt. Bei unserem größten Klimastreik gingen an einem einzigen Freitag über 1,4 Millionen Menschen in ganz Deutschland auf die Straße. Unser Protest wird durch viele hunderte Ortsgruppen ermöglicht, die in ihren Städten Demos organisieren. Von 3 bis 100 Leuten, die da die Arbeit machen, ist alles dabei.

Wie sieht das Altersspektrum inzwischen aus?

Die Proteste von Fridays for Future werden hauptsächlich von jungen Menschen getragen: Schüler:innen, Azubis, Studierende. In den letzten Jahren haben sich aber generationenübergreifend unzählige Menschen den Protesten angeschlossen: Wissenschaftler:innen, Eltern, Großeltern, Arbeitnehmende.

Hast du das Gefühl, dass ihr mit eurer Arbeit etwas in Gang bringen konntet?

Fridays for Future konnte gesamtgesellschaftlich Unglaubliches erreichen! Das Bewusstsein in der Bevölkerung über die Klimakrise ist so hoch wie nie zuvor. Gleichzeitig muss man auch sagen: Die Regierungen haben noch nicht mal annähernd ausreichend auf unseren Protest geantwortet. Sie scheinen die Krise hinter der Erderhitzung immer noch nicht verstanden zu haben.

 

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Wie ist die Stimmung unter jungen Leuten beim Thema Klimawandel?

Die Klimakrise wird meine Generation mit voller Wucht treffen, das macht mir persönlich große Angst. Denn dass sich unsere Welt erwärmt, wird dramatische Folgen haben: Wir rasen gerade auf eine Welt zu, in der die Versorgung von uns allen mit Wasser und Nahrungsmitteln nicht mehr sichergestellt ist. Ich erlebe aber auch – gerade in diesen Zeiten –, dass es Menschen an Kraft fehlt sich mit dieser Bedrohung auseinanderzusetzen. Das gilt vermutlich für Menschen aller Generationen.

Wie war das vergangene Jahr für euch mit Corona und der fehlenden Möglichkeit zu streiken?

Corona war eine Katastrophe für den Klimaschutz! Denn im Rahmen der Konjunkturprogramme sind 2020 unzählige Gelder in fossile Energien, also in die Vergangenheit, investiert worden, statt in grüne Technologien. Die weltweiten Emissionen sind heute auch schon wieder höher als noch vor Corona. Gleichzeitig haben wir hautnah erlebt, wie es sich anfühlt in einer Krise zu leben. Für uns war deswegen schnell klar: Der Kampf gegen die Klimakrise ist umso dringender geworden! Im September 2020 haben wir so zum Beispiel mit über 200.000 Menschen coronakonform demonstriert. Am 19. März 2021 haben wir den kreativsten Klimastreik veranstaltet, den es je gab: online, in über 250 Städten deutschlandweit und auf der ganzen Welt.

Was sind eure Ziele für dieses Jahr?

2021 ist ein wichtiges Jahr für den Klimaschutz. Es müssen einerseits von den aktuellen Regierungen Maßnahmen umgesetzt werden, die sofort Emissionen reduzieren. Andererseits schauen wir auf die Bundestagswahl am 26. September. Zu diesem Anlass erwarten wir von allen Parteien, dass sie 1,5-Grad-konforme Wahlprogramme vorlegen und dass der Klimaschutz im Mittelpunkt der Wahl steht. Die nächste Legislaturperiode ist die letzte, in der der Kampf um die Einhaltung des 1,5-Grad-Limits noch aufgenommen und gewonnen werden kann.

 

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Was frustriert bzw. motiviert dich am meisten bei deiner Arbeit?

Es kann so anstrengend sein, sich immer wieder mit einer solch großen und bedrohlichen Krise auseinandersetzen zu müssen. Vor allem dann, wenn die Wissenschaft und die Handlungsanweisungen so klar sind, die Politik aber trotzdem blockiert. Meine größte Motivation ist zu sehen, wie viele Menschen öffentlich Druck auf die Politik ausüben. Nur so verändert sich etwas.

Was kann man tun, wenn man sich euch anschließen oder euch unterstützen will?

Um bei Fridays for Future mitzumachen, muss man keine besonderen Talente mitbringen. Uns alle eint nur eins: Wir wollen die Erderhitzung auf 1,5 Grad begrenzen und den Weg für eine klimagerechte Welt ebnen. Den Kontakt zur lokalen Ortsgruppe findet man auf www.fridaysforfuture.de/regionalgruppen.

Wie kann so eine Unterstützung konkret aussehen?

Die unterschiedlichsten Menschen sind bei Fridays for Future aktiv und sie bringen sich alle unterschiedlich ein. Es gibt auch so viel zu tun. Die gemeinsamen Treffen vorbereiten, Demos bei den Behörden anmelden, Posts auf Social Media machen, Reden schreiben und halten, neue Menschen in die Orga-Arbeit einweisen oder strategisch überlegen, zu welchen Themen wir arbeiten sollten. Ansonsten ist Fridays for Future auch weiterhin auf die finanzielle Unterstützung von Kleinspender:innen angewiesen. Spenden kann man unter www.fridaysforfuture.de/spenden.

 

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Copyright: Fridays for Future

Johanna Meadows

Johanna Meadows leitet bei Pinkbus die Kommunikationsabteilung. Nach dem Studium hat sie ein journalistisches Volontariat bei einer Zeitung absolviert und über fünf Jahre als freie Redakteurin gearbeitet. Sie schreibt leidenschaftlich gern über Themen, die sie auch neben dem Beruf interessieren: Nachhaltigkeit, Sport und gesunde Ernährung, neue Mobilitätskonzepte und innovative Startups.

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