Interview mit Pinkbus-Gründer Christian Höber

03 November 2021

Wie kommt man dazu ins Busgeschäft einzusteigen?

Christian: Ich bin quasi damit aufgewachsen. Mein Vater hatte einen kleinen Reisebusbetrieb und dann bin ich zweimal im Jahr mit ihm und einer Reisegruppe mitgefahren. Ursprünglich hatte ich aber ganz andere Pläne...

Was hat dich dann 2012 doch angetrieben einen eigenen Busbetrieb im Linienverkehr zu gründen?

2012 gab es eine EU-weite Ausschreibung für Streckennetze. Viele alteingesessene Busbetreiber, wie es unter anderem auch mein Vater war, haben sich an diese Ausschreibung nicht herangetraut. Gemeinsam mit der go.on, das ist eine Gesellschaft für Bus- und Schienenverkehr, haben wir die Ausschreibung in Paderborn gewonnen und befördern nun mehr als 22 Millionen Fahrgäste. Für mich hat die Sache dann in der Zeit 2012 bis 2014 mit dem steigenden Wettbewerb im ÖPNV richtig Spaß gemacht.

Wie kommt man von einem Busbetrieb in Paderborn zu der Idee Pinkbus?

Ich persönlich habe immer die Innovation auf dem Markt und ein Konzept, die Menschen nachhaltig und günstig von A nach B zu bringen, vermisst. Als die Idee Pinkbus entstand, gab es kaum Direktverbindungen im Fernbusbereich. Viele Expressfahrer sind aus Komfortgründen wieder auf die Bahn oder das Flugzeug umgestiegen. Angetrieben von diesem Gap am Markt habe ich gemeinsam mit Tino Engelmann während meines MBAs in San Francisco die Idee Pinkbus konkretisiert. Unser Ziel ist es, wieder mehr Menschen für den Fernbus zu begeistern. Dieser verbraucht nämlich ebensowenig CO2 wie die Bahn, ist dafür aber sehr viel preiswerter.

Was sind deiner Meinung nach aktuell die größten Probleme oder Herausforderungen am Fernbusmarkt?

Das Problem ist, dass der Fernbus als “langsam” abgestempelt wurde. Das ist dem Wachstum auf dem Markt geschuldet. 2013 haben sich viele Wettbewerber auf den Strecken getummelt. Viele davon haben sich bis 2015 zusammengeschlossen oder streckenweise auch übernommen. Die zusammengeschlossenen Unternehmen wollten nun möglichst schnell die Busse voll kriegen und haben viele Zwischenhalte auf ihren Strecken eingebaut, was logischerweise auch für längere Fahrzeiten sorgte. Jetzt ist die Herausforderung, diesen Stempel wieder aus den Köpfen der Menschen zu bekommen und zu zeigen, dass es auch anders geht.

Wenn man sich den Markt heute so anschaut, fällt vor allem ein Wettbewerber auf – wie beurteilst du Flixbus?

Die Einstellung der Geschäftsführung ist meiner Meinung nach falsch. Der Umgang mit den Partnern und grundsätzlich dem Partnernetzwerk läuft einseitig zu gunsten von Flixbus. In der Vergangenheit wurden die Buspartner mit einer sehr intransparenten Umsatzaufteilung vergütet. Das Problem dabei ist, dass nicht nur ein Unternehmen auf der Strecke unterwegs ist, sondern mehrere, die sich zu Stoßzeiten gegenseitig die Kunden wegnehmen. Alles unter dem Namen Flixbus. Heute werden viele Partner mit einer fixen Vergütung bezahlt. Diese Vergütung drückt Flixbus aber erheblich. Das bedeutet, die Kosten bei den Busunternehmen steigen und Flixbus zahlt weiterhin die gleiche Vergütung. Das hat schon einige Busunternehmen zerstört. Wo es möglich ist, setzt Flixbus auch viele osteuropäische Subunternehmer ein. Ich vermute mal wegen einer niedrigen Kostenstruktur. Das hat zur Folge, dass die Qualität auf den Fahrten erheblich abnimmt.

Gibt es bei Flixbus nicht auch feste Qualitätsstandards?

In der Theorie ja, in der Praxis sieht das leider oft anders aus. Als Beispiel: Bei einem Bus auf der Strecke München-Berlin fällt das WLAN aus. Jetzt müsste der Bus eigentlich zum Betriebshof fahren und das WLAN-Modul ausgetauscht werden. Der Betriebshof liegt aber 100 km von München entfernt. Während der Bus in der Werkstatt steht, bringt er kein Geld ein. Da der Bus eh in 14 Tagen in die Werkstatt muss, wird das Problem einfach vertagt und der Bus fährt zwei Wochen ohne WLAN. Ähnlich ist es im Bereich Sauberkeit/Reinigung.

Was macht Pinkbus besser als die Konkurrenz?

Pinkbus bietet seinen Buspartnern eine faire Bezahlung und eine Route-Ownership an: Die Unternehmen, die für Pinkbus fahren, haben die Exklusivrechte über ihre Strecke und kein anderer Buspartner kann im Namen von Pinkbus mögliche Kunden wegnehmen.

Welches Ziel verfolgst du mit Pinkbus auf dem Fernbusmarkt?

Mit der Marke Pinkbus wollen wir die deutschen und europäischen Großstädte miteinander verbinden und nachhaltiges Reisen für den kleinen Geldbeutel möglich machen.

Wie würdest du den Fernbusmarkt ohne Pinkbus in Schlagworten beschreiben?

Den Fernbusmarkt ohne Pinkbus in Schlagworten? Ich würde sagen: langsam, schlechte Qualität und monopolistisch.

Und mit welchen Schlagworten würdest du Pinkbus beschreiben?

Kundenorientiert und komfortabel, schnell und nachhaltig.

Johanna Meadows

Johanna Meadows leitet bei Pinkbus die Kommunikationsabteilung. Nach dem Studium hat sie ein journalistisches Volontariat bei einer Zeitung absolviert und über fünf Jahre als freie Redakteurin gearbeitet. Sie schreibt leidenschaftlich gern über Themen, die sie auch neben dem Beruf interessieren: Nachhaltigkeit, Sport und gesunde Ernährung, neue Mobilitätskonzepte und innovative Startups.

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